Hier nun der Bericht über das erfolgreiche Seminar zum Altern von Eisenbahnmodellen.

Bereits am Vorabend trafen sich fünf Teilnehmer und der Referent zum gemeinsamen Abendessen im "Landhaus" in Lastrup. Dieses gemeinsame Kennenlernen war sehr informativ. Es wurde über persönliche Erfahrungen aus dem Modellbahnbereich gesprochen, aber auch rein private Themen kamen zur Sprache. Bei den Teilnehmern stieg die Vorfreude auf den Seminarbeginn.

Pünktlich um 8.30 Uhr am 25.02.2012 waren alle Teilnehmer am nächsten Morgen im Frühstücksraum der Kreissportschule versammelt. Nach dem gemeinsamen Frühstück ging es zum Seminarraum. Für jeden Teilnehmer war ein eigener Tisch vorbereitet. Insgesamt standen 10 Airbrush-Pistolen zur Verfügung, die am Fenster an einem separaten Arbeitsplatz genutzt werden konnten.

Horst Müller-Kuntzer zeigte zwei Übungen, die im Anschluss von allen Teilnehmern zum Kennenlernen der vorhandenen Spritzpistolen ausgeführt werden sollten. Bei der ersten Übung wurde eine Fläche transparent und ansatzfrei beschichtet. Bei der zweiten Übung wurde ein gleichmäßiger Farbverlauf vom Grundton zur weißen Fläche erzeugt, so dass der obere Rand des Farbfeldes farbintensiver, der untere Rand jedoch ohne Farbauftrag bleibt.

Nach Absolvierung beider Übungen wurden einige Alterungsbeispiele anhand von bereitgestellten Modellen gezeigt. Jochen Wießner hatte einen Teil seiner gealterten Modelle mitgebracht. Deutlich sichtbar waren die Unterschiede zu sehen. Die "berüchtigten" Spörle-Waggons sind nach einer anderen Betrachtungsweise gealtert worden. Hier wurden Gebrauchsspuren aufgebracht, die sich nicht unbedingt am Vorbild orientieren. Gerade bei den Dächern ist immer ein relativ homogenes Bild zu sehen. In dieser Art werden die Waggons bereits seit 20 Jahren gealtert. Vor 20 Jahren war das sicher ein herausragendes Merkmal, aber im Vergleich an Originalvorbildern gealterten Waggons ist der Unterschied deutlich zu erkennen. Weiterhin gab es einige Modelle zu sehen, die in der Bucht als realistisch gealtert versteigert wurden. Beim Ankauf über Fotos sah der Waggon dann doch vielversprechender aus als er sich in der Praxis darstellt. Als Vergleich dazu dienten Schotterwagen, die Wolfgang Popp gealtert hat. Hier war praktisch jeder Waggon ein Unikat.

Nach dieser kurzen Übersicht zeigt Wolfgang Popp anhand seiner mitgebrachten Dateien etliche Fotos von bereits gealterten Loks und vor allen Dingen auch von Beispielen aus der Praxis. Es wurde über verschiedene Quellen gesprochen, wo Fotos besorgt werden können. Auffällig ist, dass es kaum authentische Fotos von Güterwagen gibt, sondern häufig diese Güterwagen als Zugabe bei Lokfotos zu finden sind. Jedem Teilnehmer war nun klar, dass das Internet nach Fotos zu durchforsten ist.



Danach ging es an die praktische Arbeit. Es wurden zwei Modelle für die Alterung bevorzugt. Der eine Wagen sollte eine Metalloberfläche haben, um die Darstellung von Rost mit der Salztechnik zu üben, ein weiterer Waggon sollte eine Bretterimitation haben, um den Austausch von Hölzern und das Bewittern von Holz darstellen zu können. Jeder Teilnehmer hatte seine Wunschmodelle mitgebracht und nach Vorgaben von Wolfgang Popp wurde dann gearbeitet. Es soll jetzt hier nicht jede einzelne Arbeitstechnik aufgeführt werden. Allein die verbale Beschreibung ist nicht in der Lage, diese ganzen Nuancen aufzuzeigen, die bei der Vorführung von Wolfgang Popp und den eigenen Versuchen zu erkennen waren. Die Ergebnisse lassen sich aber in wenigen Sätzen zusammenfassen.

Das Aufbringen der unterschiedlichen Farben mit unterschiedlichen Geräten basiert auf der persönlichen Erfahrung des Ausführenden. Um z. B. Witterungseffekte auf dem Holz nachzuempfinden sind von Wolfgang Popp sehr viele Versuche gemacht worden und er hat für sich bestimmte Techniken als geeignet herausgefunden. Betrachtet man die hergestellten Modelle im Vergleich, so hat jeder ein anderes Empfinden von gealtertem Holz. Das spiegelt sich in den Modellen wieder. Da bei diesem Seminar nicht direkt mit Vorbildfotos gearbeitet wurde sondern überwiegend Techniken ausprobiert wurden, entstand eine Vielzahl unterschiedlicher Eindrücke bei den Modellen.

Bei diesem Seminar kam das Gespräch nicht zu kurz. Viele Fragen wurden am Objekt diskutiert. Wolfgang Popp stand jedem mit Ratund Tat zur Seite. Die beiden Tage waren sehr schnell vorüber. Richtig fertiggestellt hat niemand sein Projekt, das war aber auch nicht Sinn der Übung. Vielmehr ergaben sich durch die unterschiedlichen Ergebnisse (mit den gleichen Farben und dem gleichen Handwerkszeug) doch sehr viele Eindrücke über die Möglichkeiten der Alterung von Güterwaggons. Abschließend bleibt festzustellen, dass jeder, der sich mit dieser Thematik befasst, sich mit vielen Techniken auseinandersetzen muss, um für sich das geeignete zu finden. Hilfreich war auf alle Fälle das Erkennen der Möglichkeiten, die die Farben bieten. Hier insbesondere aufgeführt werden die verschiedenen „Washes“, mit denen sich doch verblüffende Effekte erzielen lassen.

Für uns als Veranstalter war es ein gelungenes Seminar, auch organisatorisch haben wir keine Defizite zu verzeichnen. Die technischen Voraussetzungen der Kreissportschule sind für solche Seminare ideal. Von den Teilnehmern wurde die Bitte geäußert für ein nächstes Seminar frühzeitig Nachricht zu bekommen.

Die Fotos stammen von Horst Müller-Kuntzer, der Text von Jochen Wießner




Die Vorbereitungen für das Seminar waren sehr umfangreich. Am Fenster sind die Arbeitsplätze für das Brushen eingerichtet worden. Jeder Teilnehmer verfügte über einen eigenen Tisch. Wolfgang Popp zeigte viele Beispiele gealterter Modelle.
Die Teilnehmer waren sehr interessiert, nur der kleine Westie im Vordergrund hatte anderes im Sinn. Der Seminarleiter in voller Aktion.
Als erstes machen wir das Dach rostig, ich weiß zwar nicht, ob ein Aluminiumdach rostet, aber das spielt erst einmal keine Rolle, Rost ist Rost. Diesem Beispiel folgten dann die Teilnehmer.
Bist du wirklich sicher, dass das so geht? Also ganz ehrlich, dieser ganze filigrane Kram hängt mir am Hals raus. Irgendwie muss ich den ganzen neuen Mist doch dreckig kriegen.
Der Meister in seinem Element mit seinen Elementen. Die Teilnehmer drängten sich immer um den Tisch, um gute Plätze zu erhaschen. Es war nicht immer ganz einfach, mit einem gewissen Betrachtungsabstand die feinen Details zu erkennen, die Wolfgang Popp auf den Waggons bearbeitete.
Baureihe 110, Brandschaden Starke Abwitterungsspuren an dieser Diesellok.
Auch diese Lok hat schon viel Zeit im Freien verbracht und wurde wenig gepflegt. Hier ist das Dach schon stärker ramponiert.



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